Kunst 5-10 Materialheft zum Thema Utopien
erschienen im Friedrich Verlag 3. Quartal 2021
Eine Utopie entwirft etwas Unvorstellbares, etwas, dass weder technisch, gesellschaftlich noch religiös umsetzbar erscheint. Meist handelt es sich um eine Vision der Zukunft. Das kann zum Beispiel das Bild einer besseren Gesellschaft sein, die Vorstellung eines idealen Ortes. Das Wort Utopie stammt nämlich aus dem Griechischen und meint den „Un- oder Nichtort“. Das religiöse Mittelalter schuf zahlreiche Visionen: von der Vorhölle, dem Fegefeuer, dem Himmlischen Jerusalem oder dem Leben eines Heiligen. Zu allen Zeiten entwarfen und entwerfen Architekten Visionen. Denn mehr als alles andere bildet Architektur die Lebensgewohnheiten einer Gesellschaft ab und eignet sich zur anschaulichen Projektion für die Lebensentwürfe anderer Gesellschaftsmodelle. Die Moderne, wie zum Beispiel die Pop-Art, lädt mit ihrer diskursiv angelegten Kunst zum Dialog an. Sie führt vor Augen, in welche Richtung eine Gesellschaft „driftet“ und fragt: in welcher Welt wollen wir leben?