Kunst 5-10 Materialheft zum Thema Collagieren
erschienen im Friedrich Verlag 1. Quartal 2020
„Die Collage ist der beste Weg, die Absurdität des Alltags zu zeigen“, stellte der bekannte Bilderbuchgrafiker Tomi Ungerer (1931-2019) einmal fest. Und das erklärt in aller Schlichtheit, warum das Collagieren im 20. Jahrhundert zu demGestaltungsmittel schlechthin wurde. Als reine Papierarbeit (papier collé) kurz vor dem ersten Weltkrieg erfunden, bot die Collage in den Nachkriegsjahren alle Möglichkeiten, um die zerstörte Welt zu spiegeln – das Aufeinanderstoßen von Themen und Techniken, Materialien und Medien: Papierfetzen, Zufallsfunde, Fotografien, Musik, Laute, Worte, Texte. Die Vielstimmigkeit ist das Markenzeichen. Auf das papier collé folgten die Assemblage, Frottage, Grattage. Nach dem zweiten Weltkrieg änderte sich die Thematik und die Collage ihren Charakter: immer noch standen die Gebrauchsgegenstände im Fokus, aber mit mehr Realität und im großen Format, das Combine Painting und die Dé-Collage wurden erfunden. Und schließlich collagierte man im Happening mit den Faktoren Aktion und Zeit, im Environment trat der Raum in den Vordergrund. Um es mit den Worten von Max Ernst zu fassen: „… ce n‘est pas la colle, qui fait le collage.“