Kunst 5-10 Materialheft zum Thema Papier
erschienen im Friedrich Verlag 4. Quartal 2016
Noch gibt es sie, die Schreibhefte und Notizblöcke. Sie gehören zum täglichen Umgang mit Papier wie Bücher, Poster, Taschentücher und Tüten. Der älteste gestalterische Umgang mit Papier führt uns bis nach Japan. Origami heißt die traditionelle Faltkunst, mit der auch in europäischen Kindergärten und Schulen Tiere, Pflanzen und Sterne gefaltet werden. Seit dem Mittelalter (die erste deutsche Papiermühle ist aus Nürnberg bekannt, um 1389/90) bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts diente Papier den Künstlern vor allem als Hilfsmittel: zur Anfertigung von Entwürfen. Es war relativ günstig in der Beschaffung, erst recht mit der maschinellen Herstellung im 19. Jahrhundert, und es war einfach in der Benutzung. Erst 1912, mit den kubistischen Arbeiten von Picasso und Braque, wurde Papier als Material, als eigenständiges Ausdrucksmittel entdeckt und geschätzt. Seitdem hat man seine vielseitigen Qualitäten in allen modernen Stilrichtungen entdeckt und ausgelotet: knüllen, knicken, brennen, färben, reißen, schlitzen, schneiden usw. Papierkunst hat sich mit dem 20. Jahrhundert einen festen Platz in der Kunstgeschichte erobert.