DIE SACHE MIT DER KUNST…
Kinderfoto aus dem Familienarchiv
… begann für mich 1971, damals feierte ich meinen 5ten Geburtstag, Albrecht Dürer seinen 500sten. Was das eine mit dem anderen zu tun hat? Sehr einfach: die große Nürnberger Ausstellung zu Ehren des berühmten Künstlers, der in der freien Reichsstadt sein ganzes Leben verbrachte, sollte mein erstes Kunstabenteuer werden. Und das kam so:
Wir reisten mit der Familie im alten Peugeot von Hamburg nach Nürnberg, um die große Dürer-Ausstellung zu besuchen. Damals war die elterliche Vorgabe klar: wir gehen ins Museum und anschließend gibt es ein Eis! Also langweilten wir Geschwister uns durch die Ausstellung, vorbei an zahllosen Gemälden, auf denen es nur von heiligen Geschichten und Gesichtern wimmelte, vorbei an andächtig flüsternden Menschengruppen, bis mich sein Blick traf wie – ein Blitzschlag, der mühelos die Jahrhunderte durchkreuzte.
Albrecht Dürer: Selbstporträt im Pelzrock, um 1500, Alte Pinakothek München https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/4/4d/Albrecht_Dürer_-_Selbstbildnis_im_Pelzrock_-_Alte_Pinakothek.jpg/868px-Albrecht_Dürer_-_Selbstbildnis_im_Pelzrock_-_Alte_Pinakothek.jpg
Auch heute noch kann ich mich der Magie des Porträts, das Albrecht Dürer vor gut 500 Jahren von sich selbst malte, kaum entziehen. Es sind wohl der Zauber seiner lebensnahen Malerei und die Vielfalt ihrer Bedeutungen, die die anhaltende Wirkkraft seines Selbstporträts erklären. Damals ahnte ich natürlich noch nichts von den gelehrten Diskussionen der Kunstgeschichte, die sich um das künstlerische Selbstverständnisses des Malers drehen. Damals war es “nur” seine Malkunst, die mich in den Bann zog. Ich fragte mich, was für ein Mensch sieht mich da so unverwandt an - geradezu unverschämt? 500 Jahre alt und doch so direkt? Fehlte nur, dass er aus dem Gemälde stieg und mich zu mehr Aufmerksamkeit in der Ausstellung mahnte! Kurzerhand krabbelte ich unter der Absperrung durch… und löste prompt den Alarm aus.
An den Wirbel, den ich damit auslöste, erinnere ich mich heute kaum mehr, dafür aber an diese erste Begegnung mit Albrecht Dürer. Damals erlebte ich zum ersten Mal die Wirkmacht von Kunst, den bewegenden Moment, in dem Realität und Fantasie miteinander verschmelzen und die Welt zum Sprechen bringen. Habe ich deshalb Kunstgeschichte studiert? Auf jeden Fall bin ich seither am liebsten unterwegs – in Museen und Ateliers, Kirchen und Klöstern, Städten, Gärten, kurzum: überall dort, wo Kunst und Leben aufeinandertreffen.
Paris, Tuilerien, April 2024 © Stephan Albrecht
Dabei sind es oft die scheinbaren Belanglosigkeiten, wie zum Beispiel das Leben im Schatten der großen Kathedralen, die Vergangenheit und Gegenwart zusammenbringen und die Geschichte der Kunst weitererzählen.
Chartres, Kathedrale, Westportal, September 2024© Anna Albrecht
Diesen Geschichten eine Stimme zu geben, egal, ob sie sich in der Vergangenheit zugetragen haben oder direkt vor unseren Augen abspielen, ist mein Anliegen - darüber schreibe ich auf diesem blog.
© Atelier Peggy Pfotenhauer